Lichterkette 2.0 gegen Rechts

Mit ihren Smartphones malten am 05.11.2018 über 5000 Münchner ein weithin sichtbares Zeichen in den Abendhimmel. Sie protestierten damit gegen den Einzug der AfD in den bayerischen Landtag. 

“Das Licht ist ein Symbol der Aufklärung”, ruft Peter Probst, Vorstand der Lichterkette e.V., auf der Bühne, bevor Lichtkünstler Ulrich Tausend und Fotograf Rainer Viertlböck die “Lichterkette 2.0” erklären. Kurz danach leuchtet die Maximilianstraße einmal in weißen und dann in bunten Farben – “das weltgrößte Lighthpainting”, freut sich Tausend.

Fotos: © Rainer Viertlböck, Quelle: www.isarlust.org

 

Bei der von den Urbanauten veranstalteten Demonstration “Wehret den Anfängen” für Demokratie und Menschenrechte und gegen den Einzug der AfD in den bayerischen Landtag erinnerte Probst in seiner Rede an die Lichterkette 1992:

“Es gehört zu den Wundern, die man im Leben wahrscheinlich nur einmal erlebt: Die Lichterkette am 6. Dezember 1992. Gerade haben wir in Berlin eine Demo mit 240.000 Demonstrierenden bestaunt. Wir haben damals im deutlich kleineren München ohne Handys und ohne Internet über 400.000 Menschen auf die Straße gebracht. An diesem 6. Dezember vor 26 Jahren wollten wir sehen, ob unsere Stadt bereit ist, unmissverständlich NEIN zu Rassismus und Antisemitismus zu sagen. Die Münchner und Münchnerinnen wollten genau das beweisen und sind mit ihren Lichtern in Massen auf die Straße gegangen. Nach diesem überwältigenden Zeichen war es für die Rechtsextremen erst einmal vorbei, sich als Vertreter der schweigenden Mehrheit fühlen zu können. München hatte ihnen heimgeleuchtet … leider sind sie längst zurückgekehrt.

Unser Verein hat seither keine Lichterkette mehr organisiert. Wir wollten nicht, dass der Vergleich von Teilnehmerzahlen über die Wichtigkeit von Anliegen entscheidet.  Und wir haben begriffen, dass die Leute von uns Taten sehen wollten. Deswegen haben wir uns in den letzten 25 Jahren ganz auf die Projektarbeit konzentriert.

Bei der heutigen Demo sind wir trotzdem aus vollem Herzen dabei und wollen gemeinsam mit euch noch einmal ein Zeichen setzen. Damals waren das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen und der Mordanschlag von Mölln der Anlass, heute ist es der Einzug einer Partei in den bayerischen Landtag, die all das bekämpft, wofür die Lichterkette sich seit 1992 einsetzt. Aber es ist nicht nur diese Partei, die für keinen anständigen Menschen eine Alternative sein darf, es ist unsere Sorge um die politische Kultur an sich. Wir haben in diesem Jahr eine Sprachverrohung sondergleichen erlebt – mit Wörtern wie Asyltourismus, Anti-Abschiebe-Industrie, Herrschaft des Unrechts oder Koalition der Illegalen – der letztere Begriff stammt übrigens von Herrn Aiwanger. Auch zu dieser Sprache müssen wir laut und deutlich NEIN sagen.

Das Licht ist das Symbol der Aufklärung. Lasst uns mit ihm in die düsteren Ecken leuchten, von denen aus unsere Demokratie, unsere offene Gesellschaft und unser Gemeinsinn angegriffen werden. Lasst uns in den nächsten Jahren genau hinschauen, was sie dort oben im Landtag treiben. Und lasst uns weiter Gesicht zeigen, es geht um viel!

Bei der Lichterkette 1992 hatten die Münchnerinnen und Münchner Laternen vom Martinsumzug dabei oder sie hatten ihren Adventskranz geplündert. Heute geht das anders. Wie, erklärt euch jetzt der Lichtkünstler Ulrich Tausend.

Ich danke euch!