Klare Worte!…aber respektvoll

Sprache ist mehr als Kommunikation. Sie kann auch Gewalt sein. Wir merken die Sprachverrohung immer wieder – in der Gesellschaft, in der Politik, in den sozialen Medien und letztlich auch in den Schulen. Unser Ziel ist, uns Sprachgewalt auf breiter Front entgegenzustellen – mit Projekten, Veranstaltungen, Vorträgen, Kampagnen, Vernetzungen. Klare Worte!…aber respektvoll ist ein Sprachprojekt für ein friedliches Miteinander.

Das Schulprojekt

In einem ersten Schritt haben wir ein Schulprojekt initiiert, das vom Verein SprachBewegung e.V. konzipiert und an der Mittelschule an der Wiesentfelser Straße durchgeführt wurde. Es startete im September 2020 in einer 7. Klasse und lief trotz aller Widrigkeiten, die Corona mit sich brachte, bis zum Schuljahresende im Juli 2021. Daraus ist ein digitales Workshop-Programm entstanden, das für alle zugänglich ist und von anderen Schulen in Eigenregie umgesetzt werden kann. Es ist hier abrufbar: http://klare-worte.org

Das Projekt beschäftigt sich mit Sprachgewalt und Gewalt durch Sprache und will bei Jugendlichen ein kritisches Sprachbewusstsein fördern. Die Schüler:innen können Alternativen zu ihrem bisherigen Sprachgebrauch entwickeln und ihre Sprachgewohnheiten und damit auch eigene Verhaltensmuster durchbrechen, so dass die Klassengemeinschaft zu einer gewaltfreien Gemeinschaft wird. Letzten Endes sollen Schüler:innen an der eigenen Schule in anderen Klassen als Multiplikator:innen wirken.

Das Konzept:

Das Projekt baut sich in vier aufeinander folgenden Stufen auf:

1. Vom Denken zur Sprache: Am Anfang stehen Recherche und Analyse der gegenwärtigen sprachlichen Umgebung und Reflexion der eigenen Sprachgewohnheiten. Dabei geht es um die grundlegenden Fragen: Wie verletzend kann Sprache sein? Welches Sprachverhalten fördert Gewalt / ruft Gewalt hervor? Was macht Gewalt?

2. Von der Sprache zum Handeln: In Rollenspielen werden verschiedene Situationen erlebbar gemacht. Durch Rollen- und Perspektivwechsel werden neue Erfahrungen ermöglicht.

3. Vom Handeln zu Gewohnheiten: Welche Einsichten, welche Verhaltensweisen brauchen wir für unsere Gemeinschaft? Diese werden von den Schüler:innen erarbeitet.

4. Von der Gewohnheit zum Charakter und darüber zum Schicksal: Wir besinnen uns auf uns selbst und können etwas bewegen.

Methoden

Begleitet wird der Projektprozess durch Recherche, reflektierendes Schreiben, Gespräche, Rollenspiele, demokratische Aushandlungsprozesse und Reflexion (Evaluation).

Projektphasen

1. Phase: 3 Intensivprojekttage

2. Phase: Ein halbes Schuljahr 1 x wöchentlich 90 Minuten Projektzeit

3. Phase: Es war geplant, dass Schüler:innen als Multiplikator:innen ihre Erfahrungen in Workshops weitergeben. Durch die coronabedingten Einschränkungen wurden die Aktivitäten ins Netz verlagert und eine digitale Workshop-Version erarbeitet.

4. Phase: Reflexion: Hat sich etwas verändert? Wenn ja, was ist besser geworden und warum? Was bräuchte es noch?


„Klare Worte! …aber respektvoll“ beteiligte sich  am Schulwettbewerb „fair@school – Schulen gegen Diskriminierung“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und des Cornelsen Verlages. Bei der Jury-Sitzung am 05. Mai 2021 in Berlin kam das Projekt unter die besten Zehn. Das ist für das Kooperationsprojekt von Lichterkette München e.V. und Sprachbewegung ein sehr großer Erfolg – immerhin hatten sich trotz erschwerter Bedingungen in der Corona-Pandemie mehr als 60 Schulen mit ihren Projekten beworben.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes schreibt dazu: „Ihr Engagement leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, die Schule zu einem Ort zu machen, an dem Vielfalt geschätzt und gelebt wird.“

In der Münchner Lehrerzeitung vom Oktober 2021 erschien ein Interview mit der Lehrerin Stefanie Batmaca, die das Projekt mit Sprachbewegung in ihrer Klasse durchführte.

Info

Radoslav Ganev, Geschäftsführer der Lichterkette e.V., radoslav.ganev@lichterkette.de

[Bild: pixabay | Valentin_Photography]