Begrüßungsrede unseres Vorstandsmitglieds Peter Probst

Foto: Orla Connolly

Ich bin Jude. Ich trage eine Kippa. Aber drüber eine Basecap. Muss ja nicht gleich jeder sehen, was meine Religion ist. Jeden Morgen holt mich ein Kleinbus ab, ich fahre nur selten mit dem öffentlichen Bus. Vor der Schule steht ein Polizeifahrzeug, das Gebäude wird von Kameras und Security-Leuten bewacht. Die kennen uns schon lange, trotzdem dürfen wir nur einzeln durch die Schleuse gehen. „Dient deiner Sicherheit“, sagen meine Eltern, genauso wie der regelmäßige Terroralarm, bei dem wir das Verhalten bei einem Angriff üben. Angst habe ich selten. Aber ich frage mich immer öfter, was ich denen getan haben soll, die mich hassen, nur weil ich Jude bin.

Ich bin Muslima. Ich trage Kopftuch, weil ich es will. Meine Eltern sehen das nicht so gern. Sie sagen, es ist gefährlich. Meistens bin ich mit meiner Freundin unterwegs, die ist katholisch, aber zum Musikunterricht muss ich alleine mit der S-Bahn fahren. Dann schaue ich, dass ich mich zu Leuten mit freundlichen Gesichtern setze, zu einem Paar oder mehreren Mädchen. Manchmal täusche ich mich, und sie stellen mir blöde Fragen. Ob ich geschlagen werde, wenn ich kein Kopftuch trage? Oder ob ich Islamisten gut finde? Meine Freundin hat mir Bilder von ihrer katholischen Großmutter gezeigt. Die hat immer ein Kopftuch getragen, und niemand hat sie deswegen blöd angemacht.

Ich habe mich wahnsinnig drauf gefreut, 18 zu werden und in Clubs gehen zu können. Dann habe ich gemerkt, dass ich oft nicht reingelassen werde. Ich bin nämlich schwarz. Die Türsteher sagen nie: „Dich wollen wir nicht, weil du die falsche Hautfarbe hast. Sie behaupten, der Club wäre total voll, oder es wären schon viel zu viele Typen da. Zum Glück gibt es auch private Partys. Weil ich auf dem Land aufgewachsen bin, rede ich so bayerisch, dass meine Lehrer mir deswegen manchmal eine schlechtere Note geben. Dann sage ich, dass ich es hasse, als Bayer diskriminiert zu werden. Das finden sie lustig. Ich auch, aber nur, weil es einen tieferen Schmerz überdeckt.

Ich könnte noch viele solcher Geschichten erzählen, von Menschen mit Behinderung, von Frauen, die diskriminiert werden, nur weil sie Frauen sind, von Homosexuellen, die angegriffen werden…

Liebe Filmemacher und Filmemacherinnen, liebe gegen Rassismus, Antisemitismus und jede andere Art von Menschenfeindlichkeit Engagierte, liebe Eltern und Lehrer, ich darf Sie und euch alle ganz herzlich im Namen des Vereins Lichterkette begrüßen. Wir haben vor fast 27 Jahren in München eine Demonstration organisiert, bei der über 400.000 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gegangen sind. Seither konnten wir zahllose Projekte ins Leben rufen, die das friedliche Zusammenleben aller Münchner und Münchnerinnen fördern. Weil 27 Jahre eine ziemlich lange Zeitspanne ist, sind wir nicht mehr ganz so jung und haben inzwischen eine „Junge Lichterkette“ gegründet, für die wir immer Mitglieder suchen. Jeder, der sich engagieren will, ist herzlich eingeladen.

Ganz besonders möchte ich Frau Dr. Zadoff vom NS-Dokuzentrum und ihren MitarbeiterInnen danken. Sie beherbergen uns heute nicht nur, sie haben unser Projekt  von Anfang an tatkräftig unterstützt. Wir sind glücklich, dass „Zeig den Nein“ bereits in der ersten Runde einen so großen Zuspruch erfahren hat, und werden diesen Preis deswegen im nächsten Jahr wieder ausloben.

Wir alle wissen, um was es geht und dass es, seit die Menschenverächter im Land immer mehr Zulauf bekommen, um viel geht. Deswegen lasst uns gemeinsam dafür eintreten, dass jeder, egal welcher Herkunft, Hautfarbe und Religion den Respekt und das Interesse erfährt, den er als Mensch verdient. Ich wünsche allen einen unterhaltsamen, spannenden und anregenden Abend und gebe, weil ich mich kurz fassen soll, gleich wieder zurück zu unserem wunderbaren Moderator, Matthias Weinzierl!