Vorbilder

VORBILDER

… ist ein Projekt der Lichterkette e.V., mit dem wir Hauptschülern (seit Schuljahr 2011/2012 Mittelschüler) Mut machen wollen, sich Ziele zu setzen und nicht so schnell aufzugeben. Die Vorbilder, die ihre Lebensgeschichte und ihren Berufsweg erzählen, wissen, wovon sie sprechen: Sie waren teilweise selbst auf der Hauptschule, haben einen Migrationshintergrund und sind wirklich „einer von uns, der es geschafft hat“.

 

Das Projekt startet mit Serhad Güldürsün (27), der seine Erfolgsgeschichte den Siebtklässlern der Hauptschule an der Wiesentfelser Straße vorträgt. Er hat sich mit dem „KaputterPC IT-Service“ selbständig gemacht und deshalb auch einen PC mitgebracht, dessen Innenleben er den Schülern anschaulich erklärt. Der junge Mann gibt außerdem Hauptschülern Mathenachhilfe in zwei Freizeitstätten, wo er auch zahlreiche andere Projekte entwickelt und begleitet. „Serhad ist ein echtes Vorbild“, waren sich die Schüler einig. „Er hat nicht den Kopf hängen lassen, sondern immer weiter gemacht“.

Als nächste erzählt Soraya Saracoglu (33) ihren Lebensweg. Die Tochter türkischer Eltern, die es nicht immer leicht gehabt hat, erlernte bzw. übte drei Berufe aus. Jetzt möchte sie ein Modeatelier gründen. Ihre Schlüssel zum Erfolg sind ein eiserner Wille und perfektes Deutsch. Das Fazit der Schüler: „Auch mit einem Hauptschulabschluss kann man einen guten Beruf ergreifen. Aber dafür muss man am Ball bleiben und darf nicht aufgeben“.

Stefan Kozlowski, der gerade seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker-Meister macht, empfiehlt den Schülern: Zuhause deutsch sprechen, unbedingt den Quali machen und die Eltern um Unterstützung bitten.

 

 

Auch Edite Domingos, Claudia André und Helma Joao von der Girl-Band „Black Key Sis“ beeindruckten die Schulklasse. Alle drei tanzen, seit sie fünf Jahre alt sind. Um Schulabschluss und Ausbildung kümmerten sie sich mit großer Eigeninitiative. Heute trainieren sie jeden Abend drei Stunden nach Schule und Beruf. Ihr Tipp: „Unbedingt Praktika machen, bei Mitschülern Hilfe suchen und Angebote der Schule wahrnehmen.“

Die Türkin Aishe Ciftci (28) kam als Kind nach Deutschland. Nach der Mittelschule schloss sie ihre Ausbildung zur Arzthelferin mit Erfolg ab und arbeitet bis heute in diesem Beruf. Ihren konservativen Vater musste sie zuvor in vielen Gesprächen davon überzeugen, dass sie mit ihrer Ausbildung den richtigen Weg gehen würde. Und der ist noch lange nicht beendet, denn nach Dienstschluss absolviert die zielstrebige Frau eine weitere Ausbildung zur Heilpraktikerin.  Aishe ermutigt vor allem die Schülerinnen, immer wieder und ohne Angst mit den Eltern über die eigenen Wünsche zu sprechen und für ihre Ausbildung zu kämpfen.

Phuong Nguyen stammt aus Vietnam und ist Kfz-Feinmechaniker-Meisterin bei BMW.  Sie ermuntert vor allem die Mädchen, sich für technische Berufe zu interessieren. Ihr Vater war gegen diese Ausbildung, doch sie hat es trotzdem geschafft. Die Schüler dazu: „Frau Nguyen hat sich durchgesetzt, ihren Traum gelebt und viel erreicht“.

Nargiz Tursun ist Uigurin. Trotz belastender Umstände in einem Asylbewerberheim machte sieMittlere Reife und Abitur, ging dann an die FOS und studiert jetzt Soziale Arbeit. Um sich das Studium zu finanzieren, ist sie Übungsleiterin beim TSV Neuperlach und gibt Nachhilfestunden. Ihr Tipp an die Kinder: „Du musst ein Ziel haben, es gibt in Deutschland viele Möglichkeiten“.

 

Seda Wintermayr ist Polizistin. Die Eltern kamen Anfang der 70-er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland, Seda ist in Bielefeld geboren. Die Schulzeit auf dem Gymnasium beschreibt sie als anstrengend. Ab der 9. Klasse war sie Schulsprecherin. Mit ihrem großen Gerechtigkeitssinn setzte sie sich immer für die Belange der Schüler ein. Seda zog früh von zu Hause aus und arbeitete neben der Ausbildung. Für die Schüler ist sie ein Vorbild, weil sie für ihre Ziele gekämpft hat, sehr sportlich ist und nie aufgegeben hat.

Amir Roughani zog als Elfjähriger aus dem Iran nach Berlin. Auf der Hauptschule setzte er alles daran, Deutsch zu lernen. Über den Sport fand der ehrgeizige junge Mann Anschluss an die deutsche Gesellschaft, lernte Disziplin und hielt Leistungsdruck besser aus. Roughani holte das Fach-Abi nach, studierte Wirtschaft und ging nach München, um dort in Unternehmen zu arbeiten. Ein paar Jahre später machte er sich selbständig. Seine Firma heißt Vispiron AG, hat 300 Mitarbeiter und stellt z.B. elektronische Fahrtenbücher her. Amir Roughani rät den Schülern, ihre Ziele so zu formulieren, dass sie immer zu den Besten gehören.

Hassan Alidjan stammt aus Afghanistan. Mit 17 Jahren gelang ihm die Flucht nach München. Zum Glück durfte er bleiben. In der Schule musste er als Analphabet Lesen und Schreiben lernen. Er wusste, dass er Deutsch lernen musste und übte sehr fleißig. Den qualifizierenden Hauptschulabschluss bestand er mit der Note 2,2. Eine Ehrenamtliche der Caritas gab ihm in der Flüchtlingsunterkunft Nachhilfe, ging mit ihm ins Museum und zeigte ihm die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Seine Lehre hat er erfolgreich absolviert und arbeitet jetzt als Gebäude-Elektrotechniker bei einer Münchner Firma. Den Kindern gibt Hassan den Rat, die Möglichkeiten, die sich an Schulen in Deutschland bieten, zu nutzen und einen guten Abschluss zu machen. Das sei der Schlüssel zum Beruf.

Michael Wiese schaffte trotz seiner Legasthenie und der Prophezeiung der Lehrer den Quali und machte auf der FOS sein Fachabitur. Nach einer Weltreise studierte er Innenarchitektur und Bühnenbild und arbeitete schon für „Wetten dass“ und in Hollywood. Was alles möglich ist, wenn man ein Ziel vor Augen hat und sich druch nichts entmutigen lässt, konnte Michael den Schülern sehr farbig, fröhlich und lebendig erzählen.  Und er brachte ein selbst gebautes Holzfahrrad mit.

Nuray Hatun kam mit 13 Jahren nach Deutschland und besuchte die Mittelschule an der Ridlerstraße. Sie versteht den Lehrer nicht, weil er bayrisch redet und bekommt schlechte Noten. Davon lässt sie sich aber nicht einschüchtern. Nach ihrem Hauptschulabschluss macht sie ein Berufsvorbereitungsjahr, kommt in eine Qualiklasse und schließt den Quali mit guten Noten ab. Da sie als Kind viel mit der Mutter stickte und nähte, absolviert sie ein Praktikum im Damenschneideratelier La Silhouette und beginnt dort eine Ausbildung, die sie erfolgreich abschließt. Nach zwei Jahren in der Musterabteilung bei H.I.S-Jeans geht sie an die Meisterschule und kehrt als Meisterin zurück zu La Silhouette. Nuray Hatun erzählt, dass sie hauptsächlich Deutsch durch Lesen und Fernsehen gelernt hat. Sie rät den Schülern, viele Praktika zu machen, um auszuprobieren, welcher Beruf für sie geeignet sein könnte.

Pakiza Ahmadzai (26) ist ein Vorbild, das den Schülern der 7. Klasse an der Mittelschule Wiesentfelser Straße Mut macht. Die Afghanin floh mit ihrer Familie wegen den Taliban über Pakistan und Russland nach München, lernte schnell Deutsch, besuchte mit 15 Jahren zum ersten Mal eine Schule, machte den Quali und die Mittlere Reife und lässt sich jetzt als Erzieherin ausbilden. Frau Ahmadzai kümmert sich in dem von ihr gegründeten  Projekt „Integration für Afghanen“ um Landsleute, damit sie sich hier schneller und besser zurechtfinden. Den Schülern rät sie: „Es ist wichtig, deutsche Freunde zu haben und die Zukunft zu planen“.

Bayram ÖzkökBayram Özkök wurde 1977 als Kind türkischer Einwanderer im Schwarzwald geboren. Während zu Hause nur türkisch gesprochen wurde, sprachen die 8 Geschwister untereinander nur Deutsch.

In der Grundschhule hat er die 2. Klasse wiederholt. Sein erstes Erfolgserlebnis hat Bayram Özkök aber in der Mittelschule durch die Note 1 in Geschichte. Nach der Mittelschule besuchte Bayram die Berufsfachschule Metall. Dort habe er viel gelernt und hat dann das technische Gymnasium besucht und Abi gemacht, um schließlich ein duales Studium in Maschinenbau und Versorgungstechnik aufzunehmen. Heute arbeitet er als Betriebsingenieur bei einem Pharmakonzern.

Sein Rat : „Lernt die deutsche Sprache!“

IMG_3896Sumeija Kaloshi kam mit 6 Jahren aus Mazedonien nach Deutschland. Ohne Deutschkenntnisse kam sie sehr schwer durch die Grundschule. Auf der Hauptschule erhielt sie allerdings tolle Unterstützung von einer Lehrerin, die ihr beim Deutschlernen half. Nach der Mittleren Reife entdeckte sie während eines Aushilfsjobs im Kindergarten den Beruf der Erzieherin für sich. Sie bekam zwischenzeitlich 2 Kinder und hat dennoch immer gearbeitet. Letzendendes studierte sie Bildung und Erziehung und schreibt gerade ihre BA-Arbeit zum Thema Multikulturalität, leitet daneben eine Kinderkrippe und bekommt viel Unterstützung von ihrem Mann und den Kindern.
Ihr Rat: „Glaubt an euch selbst und seid fleißig!“

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    Im Herbst 1992 brannten in Deutschland die Häuser von Menschen, die hier Zuflucht suchten. Daraufhin mobilisierten vier Münchner Bürger Hunderte von Helfern und organisierten am 6. Dezember 1992 die erste Lichterkette in Deutschland. Mehr als 400 000 Menschen setzten mit Kerzen in der Hand ein in aller Welt beachtetes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus. Dem Zeichen, das die Lichterkette gesetzt hatte, mussten Taten folgen. [Mehr...]
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    Projektantrag
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    Es ist großartig, welchen Eindruck München in der Welt hinterlassen hat. Medien aus verschiedenen Ländern berichten über die Münchner Willkommenskultur und das große bürgerliche Engagement. Hunderte melden sich freiwillig, um Menschen in Not zu helfen. Radio M94,5 hat in seinem Refugee-Welcome Plan die Anlaufstellen für Helfer und auch für Flüchtlinge in München zusammengefasst. Bild
  • „Wie man Deutscher wird“

    In einer Oktoberausgabe der ZEIT (40/2015) stellte die Wochenzeitung grafisch die wichtigsten Schritte durch den deutschen Bürokratie-Dschungel auf dem Weg zur Einbürgerung dar.
    ZEIT Grafik